Leseprobe "Sünde in Schwarz"

Kapitel 1

Die Sonne verschwand langsam hinter dem Horizont und ein Knopfdruck seinerseits genügte, um die Jalousie nach oben fahren zu lassen. Einige Strahlen erhellten den Raum, während Chris seine Beine entspannt auf dem Bürotisch platzierte und an einer Zigarette zog. Dass der Kaffee auf seinem Schreibtisch längst kalt geworden war, störte ihn wenig. Sein Gaumen verlangte eher nach etwas Hochprozentigem, um den anstrengenden Arbeitstag ausklingen zu lassen. Leicht murrend gab er die bequeme Sitzposition auf und ging zu der geheimen Minibar, die sich gut versteckt direkt unter der großen Leinwand befand. Jeder, der unangemeldet in sein Büro kam, würde denken, dass er im Begriff war, sich die neuesten Statistiken anzuschauen.

Mit einem Glas Cognac in der Hand kehrte Chris an seinen Schreibtisch zurück und lümmelte sich regelrecht in den Drehstuhl aus hochwertigem Leder, dessen Armlehnen für zusätzlichen Komfort sorgten. Er war froh, dass die meisten Angestellten seiner Firma am späten Nachmittag nach Hause gegangen waren, sodass ihn kaum jemand zu Gesicht bekäme. Es würde das Bild des autoritären Chefs zerstören, dass er sich über die Jahre hinweg mühsam aufgebaut hatte. Ein kleines, aber zufriedenes Lächeln umspielte seinen Mund.

Obwohl er sprichwörtlich mit dem goldenen Löffel im Mund geboren worden war, gestaltete sein Leben sich nicht als Zuckerlecken. Schon von Kindesbeinen an hatte der Druck auf ihm gelastet, eines Tages die elterliche Firma zu übernehmen, die sich seit Generationen in Familienbesitz befand. Bis zu seinem achtzehnten Lebensjahr hatte es keinen Raum für seine Träume und ihn selbst gegeben. Und auch später war alles stets mit Leistungsdruck sowie nächtelangem Arbeiten verbunden gewesen, auch wenn die Mühen sich sehr wohl gelohnt hatten: Die Geschäfte liefen blendend, sie schrieben schwarze Zahlen und theoretisch müsste Chris nie mehr arbeiten – sein Geld und die damit verbundenen Wertanlagen reichten aus, um ihn bis an sein Lebensende zu versorgen. Ein entspanntes, doch auch leicht schwermütiges Lächeln huschte über seine markanten Gesichtszüge.

Es hatte eine Zeit – um genau zu sein zwei Jahre – gegeben, in der er diesen Lebensstil in vollen Zügen ausgekostet hatte. Morgens lange schlafen, teure, erlesene Mahlzeiten in Nobelrestaurants, ausgedehnte Shoppingtouren in exklusiven Luxusgeschäften und kostspielige Freizeitaktivitäten wie Golfen oder Segeln. Am Abend traf man sich mit Freunden auf ausgewählten Partys oder auch im Spielcasino und meist folgte die Rückkehr in Begleitung einer oder mehrerer anspruchsvoller Damen, mit denen man sich die Stunden bis zum Morgengrauen auf sinnliche Weise vertreiben konnte.

Chris hatte keine Ahnung, mit wie vielen Frauen er in dieser Freigeistperiode, wie er es insgeheim nannte, intim geworden war. Es gab keine Strichliste und er hatte es sich auch nicht gemerkt. So lange keine seiner Gespielinnen sich über seine Qualitäten als Liebhaber ausließ oder sich gar beschwerte, waren ihm diese Dinge relativ gleichgültig gewesen. Da Ehrlichkeit eine seiner wichtigsten Lebensmaximen war, hatte er nie einer von ihnen Hoffnungen auf eine feste Bindung gemacht oder Gefühle geheuchelt, wo keine waren. Chris war weder für dauerhafte Beziehungen noch für die große Liebe geschaffen, das wusste er. Das war nicht immer so gewesen, einst, vor langer Zeit hatte es eine Frau gegeben, die …

Erbost über die ungebetene schmerzhafte Erinnerung schüttelte er den Kopf, sodass sich einige blond-schwarze Strähnen aus dem sorgfältig gebundenen Pferdeschwanz lösten. Diese ungewöhnliche Haarfarbe war das Einzige, was Chris aus seiner Jugendzeit mitgenommen hatte. Alles andere war irgendwo in den Tiefen des Vergessens begraben und würde, so hoffte er, niemals wieder zum Vorschein kommen. Sein Blick glitt kurz zu dem kleinen, eingerahmten Foto, das zwischen dem 25-Zoll-Flachbildschirm und der tiefschwarzen Schubladenbox stand, sodass es auf den ersten Blick schwer auszumachen war. Es zeigte verschwommen die fröhlichen Gesichtszüge einer jungen Frau. Der in der oberen Ecke angedeutete Trauerflor fiel kaum auf, was den blitzartig aufflammenden Schmerz jedoch nicht linderte. Chris wusste nicht, wie vielen seiner Mitarbeiter oder auch Kunden das Foto bereits aufgefallen war, aber alle hatten sich bisher dezent verhalten und keine Fragen gestellt, wofür er dankbar war.

Chris atmete tief durch. Sollte er das Foto endlich entsorgen? Es gefährdete sein durchaus zufriedenstellendes Seelenleben sowie den Blick in eine Zukunft voller Unabhängigkeit und Glamour, die er teilweise jetzt schon auskostete. Sogar in seinem Alltag gab es Momente, in denen er nachdenklich wurde und überlegte, was passieren würde, wenn die Geschäfte einmal weniger gut liefen.

»Geld ist wundervoll, aber zuweilen schnell vergänglich« – diesen Leitsatz hatte er verinnerlicht, nachdem einige vertrauensvolle Geschäftspartner infolge puren Leichtsinns insolvent geworden waren.

Er griff nach dem Foto. Sollte er wirklich …? Doch als seine Hände an dem silbrig kühlen Rahmen verharrten, schmerzte die bloße Vorstellung dermaßen, dass er reflexartig losließ.

Ein zynisches Lächeln umspielte seinen Mund, als Chris sich in den Stuhl zurücksinken ließ. In einigen Situationen verhielt er sich noch immer wie ein Weichei und war froh, wenn niemand es mitbekam. Chris nahm einen weiteren Schluck von dem bräunlichen Getränk, das brennend seine Kehle herunterrann. Er versuchte, sich auf die neuen Statistiken zu konzentrieren, merkte jedoch nach kurzer Zeit, dass es sinnlos war. Seine Aufnahmefähigkeit war zu dieser fortgeschrittenen Stunde einfach erschöpft. Leicht genervt schaltete er den Rechner aus. Der Abend war zweifelsohne noch jung genug und wollte gelebt, ausgekostet werden. Doch wonach genau ihm der Sinn stand, wusste Chris nicht, was ihn mit zusammengepressten Lippen unterdrückt fluchen ließ. Hatte ihn das Foto so aus der Fassung gebracht? Offensichtlich, und das durfte nicht sein.

Ein verhaltenes Klopfen an der Tür beendete seine Grübeleien. Schnell wandte er den Kopf und sagte mit resoluter Stimme: »Herein.«

»Herr Schober?« Mit überraschter Miene sah Chris sich seiner neuen Sekretärin gegenüber, die ihn freundlich, aber auch etwas schüchtern musterte. »Ist alles in Ordnung? Es war so still im Büro und da dachte ich …«

»Ja«, erwiderte Chris – bemüht, seine Stimme nicht zu streng klingen zu lassen, während er gleichzeitig überlegte, ob er ihre Gesellschaft zulassen oder sie wegschicken sollte.

Warum manche Frauen in seiner Gegenwart einen regelrechten Beschützerkomplex entwickelten, hatte Chris noch nie verstanden, zumal dieser meistens gewaltig nervte. Etwas abschätzig betrachtete er sein Gegenüber. Frau Schepphaus, so lautete ihr Name, war mit ihren sechsundzwanzig Jahren noch recht jung und hatte auch erst vor Kurzem begonnen, in der Firma zu arbeiten. Laut seinen Informationen war sie auf der Universität eine richtige Überfliegerin gewesen, in der Praxis hatte sie aber noch einiges zu lernen.

Äußerlich war sie zweifelsohne attraktiv für eine Frau von durchschnittlicher Körpergröße, hatte lange brünette Haare, die in leichten Wellen über ihre Schultern fielen, eine durch regelmäßiges Training wohlgeformte Statur und feste, mittelgroße Brüste. Ihre Augen waren fast krampfhaft auf den Boden gerichtet, was Chris bei Frauen eigentlich sehr zu schätzen wusste, jedoch nicht in der aktuellen Situation. Seine Angestellten sollten ihn zwar respektieren, aber nicht vor ihm kuschen wie Duckmäuser.

Er stand auf und stellte sich vor seinen Schreibtisch. »Schauen Sie mich an«, forderte er mit leicht harscher Stimme und musste den Impuls unterdrücken, sie sofort unter dem Kinn zu packen. Frau Schepphaus zuckte ängstlich zusammen, tat aber sofort, was er verlangte. Als Chris ihre Augen sah, stockte ihm für den Bruchteil einer Sekunde der Atem. Sie waren taubengrau und harmonierten perfekt mit ihrer Gesichtsform und den schmalen, rosigen Lippen. Chris schluckte und studierte unauffällig ihre Körperhaltung, wobei es schwer zu sagen war, inwieweit ihre Unsicherheit dabei eine Rolle spielte. Trotzdem sprach ihre Neigung, den Oberkörper stets leicht nach vorn zu beugen, sowie der erneute Versuch, die Augen niederzuschlagen, definitiv für eine devote Ader. Ohne es zu merken leckte Chris sich über die Lippen. Sollte er es versuchen?

»Sagen Sie mir Ihren Vornamen«, verlangte er ohne Umschweife und freute sich an der Überraschung seines Gegenübers.

»Lisa«, erwiderte diese kaum hörbar. Sie schien mit der Situation überfordert zu sein.

»Nun, Lisa«, setzte Chris fort und machte einen Schritt auf sie zu. »Warum haben Sie Angst vor mir?«

»Das habe ich doch gar nicht«, entgegnete die Angesprochene eine Spur zu schnell und senkte erneut den Blick, was ihre Worte Lügen strafte.

Chris verkniff sich ein Lachen. Wenn Frauen die Unwahrheit sagten, war es fast immer offensichtlich, und das amüsierte ihn. So auch dieses Mal. Doch anstatt etwas zu sagen, baute er sich vor ihr auf, sodass sein Oberkörper kurzzeitig ihre Brüste streifte. Eine Mischung aus Erregung und Schrecken zeichnete sich in Lisas Blick ab. Als sie zurückweichen wollte, nutzte Chris die Chance, umfasste grob ihr Kinn und drückte ihren Kopf nach hinten, sodass Lisa ihn anschauen musste. Wohlwollend registrierte Chris ihr kaum merkliches Zittern, das zweifelsohne verborgener Lust geschuldet war. Sein Gefühl hatte ihn also nicht getäuscht, aber noch wollte er sich ein bisschen Zeit lassen.

»Warum hast du Angst vor mir?«, knurrte er und verstärkte den Griff ein wenig.

»Es … es gibt Gerüchte über Sie … un … unter den Mitarbeitern«, stammelte Lisa, machte jedoch keine Anstalten, sich zu befreien.

Spöttisch hob Chris die Augenbrauen. Er konnte sich denken, welche Gerüchte das waren, doch er wollte sie von dieser vor Erregung und angenehmer Furcht vibrierenden Stimme hören.

»Welche Art von Gerüchten ist das?«, forderte er eine Antwort und seine rechte Hand schloss sich so fest um Lisas Brust, dass diese quiekte.

»Dass Sie ein perverser Lustmolch sind, der es liebt, Frauen zu unterwerfen und als sein Spielzeug zu benutzen«, stieß sie mühsam hervor und Chris unterdrückte ein Lachen. In der Welt der Reichen und Schönen waren Gerüchte schnell gestreut und wurden – unabhängig davon, ob sie der Wahrheit entsprachen oder nicht – umgehend weitergetragen.

»So?«, erwiderte er gleichmütig und zog Lisa so ruckartig in seine Umarmung, dass diese erschrocken aufschrie. »Und? Wie lautet deine Meinung?« Seine Stimme war samtweich, bevor seine Zunge anfing, ihr Ohrläppchen nachzumalen. »Glaubst du, dass die Behauptungen wahr sind?«

»Ich … ich weiß es nicht«, erwiderte sie heiser. »Zuerst habe ich sie nicht geglaubt, aber Ihrem Verhalten nach sind die Behauptungen wohl doch richtig.«

Chris grinste belustigt, eine solche Antwort hatte er erwartet.

»Würde es dich denn stören?«, führte er die Unterhaltung fort, während seine Hände langsam den Weg unter ihren Blazer fanden. »Wenn diese Tratschmäuler recht hätten und ich dich benutzen würde …« – Chris zwang sie zum direkten Blickkontakt – »… als williges Spielzeug, das sich mir unterwirft?«

Über Lisas Wangen zog sich eine flammende Röte, die Chris’ Vermutung bestätigte. Trotzdem schüttelte sie heftig den Kopf.

»Nein … ich kann … ich weiß nicht.«

Solche Antworten kannte er zur Genüge und es würde ihm eine Freude sein, diese vermeintlich unbedarfte Frau an ihre Grenzen zu bringen.

»Sei still!«, befahl er schroff und drängte sie in einen harten Kuss.

»Dein Mund protestiert …« Fordernd zog er ihren Rock nach oben und schob sein Bein zwischen ihre leicht gespreizten Schenkel. Wie erwartet empfing ihn eine einladend feuchte Spalte, die nur allzu willig war, verwöhnt oder auch gequält zu werden. »… Aber dein Körper behauptet das Gegenteil. Wem von beiden soll ich glauben?«

Lisas strahlende Augen, die sie noch immer zu verbergen versuchte, waren ihm Antwort genug.

Grob riss Chris ihre unschuldig weiße Bluse in Fetzen und sah, dass sie keinen BH trug, was bei ihrer Oberweite schon einen gewissen Mut erforderte.

»Hmm«, hauchte Chris, während seine Hände sich um ihre Brüste legten. »Was mache ich jetzt mit dir?«

»Ich weiß nicht«, entgegnete Lisa, immer noch verwirrt. »Was möchtest du denn?«

Chris’ Augen blitzten zornig und er kniff sie in die Brustwarzen, die sofort darauf reagierten.

»Solange wir uns in diesem Spiel befinden, werde ich mit Master angesprochen, ist das klar?« Seine linke Hand krallte sich in Lisas Haarpracht und zog sie nach hinten, sodass er ihren ängstlichen Blick auskosten konnte. Trotz sichtbarer Schmerzen schrie sie jedoch nicht.

»Aber für den Anfang will ich mal nicht so sein, zumal dein Ungehorsam« – er betonte dieses Wort verführerisch und Lisa erschauerte – »mich inspiriert hat.«

Seine Hand glitt trügerisch sanft über ihre Pobacken. »Dreh dich um!«, befahl er und zu seiner Überraschung gehorchte sie sofort.

Lisa stützte sich mit den Händen am Schreibtisch ab und wandte Chris den Rücken zu. Dass ihr Gesicht einen gewissen Widerwillen zeigte, ignorierte er geflissentlich, die Reaktionen ihres Körpers waren eindeutig gewesen. Sie würde sich fallen lassen und jede einzelne Nuance des Schmerzes ergeben genießen. Chris’ Grinsen nahm teuflische Züge an, als er Lisas Rock hochhob und ihren dargebotenen Po fasziniert betrachtete. Dieser war zu seiner Erleichterung zwar wohlgeformt und knackig, wies jedoch auch eine gewisse Breite auf, sodass man sich hinreichend austoben konnte. Er mochte keine dürren Frauen, denen man beim Spielen die Knochen brechen konnte.

»Wundervoll«, flüsterte Chris mit tiefer Stimme, ehe er ihr mit einem schnellen Handgriff Strumpfhose und Tanga herunterriss.

Lisa keuchte auf und machte Anstalten, sich zu entziehen.

»Nicht bewegen.« Chris zögerte nicht und biss einige Male in das weiche Fleisch, bevor seine Finger langsam zu Lisas Rosette wanderten und diese flüchtig liebkosten. Zu seiner Überraschung reagierte Lisa sofort, sie stöhnte auf und das kleine Loch begann einladend zu pochen.

»Oh, will meine Sklavin etwa mehr?«

Er wartete die Antwort nicht ab, sondern umkreiste es mit seiner Zunge, jedoch nur so kurz, dass es kaum befriedigend sein konnte. Lisa wimmerte protestierend und zog ihre Pobacken leicht ein.

»Ich sagte: nicht bewegen!«, herrschte Chris sie an und verteilte zum Teil kräftige Schläge, die sofort leuchtend rote Striemen hinterließen, auf der breiten Fläche. Lisa schluchzte unterdrückt, doch das reflexartige Zucken ihrer Muskeln verriet, wie sehr sie es genoss. Üblicherweise hatte Chris eine Vorliebe für Peitschen und Fesseln, aber im Büro waren solche Spielzeuge schwer unterzubringen. Also musste die bloße Hand genügen und gemessen an Lisas – und auch seinen – Reaktionen tat sie es auch. Er keuchte kaum hörbar, die schwarze, maßgeschneiderte Hose war bereits unangenehm eng und es würde nicht mehr lange dauern, bis seine eigene Geilheit ihn zerriss.


Leseprobe "Schloss der dunklen Leidenschaft"

Die Vorstellung ließ Celinas Herz ein paar Takte schneller schlagen. Und Lustschmerzen? Für den Bruchteil einer Sekunde über ihren Rücken. Celina wusste noch immer nicht, was sie davon halten sollte. Jenes hatte sie sehr erregt, diese Tatsache konnte niemand leugnen und auch der darauffolgende Orgasmus war heftiger gewesen als die Male zuvor, als sie noch selbst Hand an sich gelegt hatte. Aber wie konnte es sein, dass sie, Celina, so etwas mochte? Selbst in den verbotenen Büchern waren Praktiken mit einem deutlich kritischen Unterton sowie als gefährlicher Sog der Leidenschaft beschrieben. Man konnte sich darin verlieren, wenn man sich nicht vorsah oder an das falsche Gegenüber geriet.

 

Celina atmete tief durch, als sie urplötzlich Sophias Hand auf ihrer Schulter spürte. Die Gräfin lächelte, als habe sie ihre Gedanken gelesen.

 

„Fürchte dich nicht, liebste Celina“, ihre Hand strich zuerst über die Halsbeuge, dann übers Kinn und anschließend ihre Wange entlang. Gleichzeitig näherte sich ihr Gesicht immer mehr. „Auch, wenn die Lehre der Unterwerfung und Gehorsam hart ist und das Innere manchmal an seine Grenzen bringt, so ist es nicht unser Interesse, dir die Seele zu rauben“, wie ein flüchtiger Windhauch streiften ihre Lippen Celinas. „Außerdem sollst du dich sträuben und widerspenstig sein, um anschließend die Bestrafung zu empfangen. Eine Sklavin, die blind und maschinell allen Befehlen folgt, ist ziemlich langweilig.“

 

Sophia gähnte demonstrativ und warf ihre Haare nach hinten. Dann wechselte sie abprubt das Thema.

 

„Ich habe Kleidung für unseren Ausritt mitgebracht.“

 

Durch ein Räuspern brachte Celina sich in die Realität zurück und musterte den Stoffberg, den die Gräfin auf ihrem Arm trug. Jener war in unauffälligen, gedeckten Farben gehalten. Erst bei näherem Hinsehen fiel ihr etwas auf.

 

„Hosen?“

 

Celinas Augen weiteten sich irritiert und Sophia kicherte. Sie schien mit ihrer Reaktion gerechnet zu haben.

 

„Selbstverständlich tragen wir Hosen, Dummerchen. Was hast du denn gedacht?“, belustigt kniff sie Celina in die Wange. „Ich habe dir doch gesagt, dass du bei mir richtig reiten lernst. Das funktioniert aber nicht, wenn wir diesen unbequemen, wenig stabilen Damensitz nutzen. Spätesten beim Galopp oder Trab auf unwegsamen Gelände würde er uns aus dem Sattel heben.“

 

Celina nickte wie hypnotisiert, die Argumente klangen zweifelsohne schlüssig und dienten ihrer eigenen Sicherheit. Dennoch fühlte sie sich unbehaglich bei der Vorstellung, eine Hose zu tragen. So etwas gehörte sich nicht. Außerdem würde jenes männliche Kleidungsstück ihre weiblichen Formen und besonders die Schenkel noch mehr betonten.

 

Die Schamesröte stieg in ihre Wangen, auf diesem Ausritt würde es nichts geben, was sie vor Berührungen schützte oder diese erschwerte. Man würde ihr problemlos dieses Kleidungsstück vom Leib reißen können. Ein wenig ängstlich schaute sie Sophia an, die selbstbewusst grinste, ihre Augen erinnerten Celina unwillkürlich an eine Schlange, die mehr als bereit war, sich auf ihr Opfer zu stürzen. Und es gab kein Entkommen.

 

Sie senkte den Blick und versuchte, ihr pochendes Herz zu ignorieren während ihre Hände nach einem Teil des Stapels griffen. Zögernd nahm Celina auf einem Stuhl in der Ecke Platz und begann, ihr Kleid auszuziehen. Dies nahm einige Minuten in Anspruch während Sophia, die ich auf das Bett gesetzt hatte, innerhalb einige Wimpernschläge fertig war. Celina stockte der Atem, wie hatte sie es so schnell geschafft? Wie von selbst blieben ihre Augen an Sophias milchweißer Haut sowie den wallenden Haaren hängen.

 

Sie gleicht einer verwunschenen Märchenprinzessin, schoss es durch ihre Gedanken.

 

Vielleicht entsprach es sogar der Wahrheit. Schließlich wusste Celina nichts über Sophias und Morelles Vergangenheit. Eine Gänsehaut kroch über ihren Körper, als sie an ihn und seine Berührungen dachte. Jene waren grobmotorischer, fast härter als Sophias und trotzdem nicht weniger leidenschaftlich gewesen. Wo war er überhaupt? Sie hatte ihn den ganzen Tag noch nicht gesehen. Celinas Füße kräuselten sich regelrecht, sie wagte nicht, jene Frage zu stellen.

 

„Was ist los, Celina?“, die Stimme der Gräfin klang teils ungehalten, teils amüsiert. „Fasziniere ich dich so sehr, dass du mich permanent anstarren musst und darüber dein Tun vergisst?“

 

Die Angesprochene zuckte zusammen und bemerkte, dass sie mit einem Bein in der Hose steckte. Peinlich berührt versuchte sie, ihr Bein weiterdurchzuschieben, was jedoch kläglich misslang. Gespielt entrüstet schüttelte Sophia den Kopf.

 

„Wie ungeschickt. Soll ich dir helfen?“

 

Ehe Celina etwas sagen oder Einwände erheben konnte, griff sie schon nach dem rebellischen Material und zog es nach oben. Sofort saß die Hose wie angegossen und Celina schluckte. Sie fühlte sich seltsam fremd, als würde ihr Körper nicht mehr ihr selbst gehören. Außerdem war es ungewohnt, den hautengen, festen Stoff direkt an ihren Beinen zu spüren.

 

„Übrigens“, riss Sophias Stimme sie aus ihren Gedanken. „Beim Reiten lassen wir die Haare offen. Der Wund und unsere Geschwindigkeit würden jede Frisur ruinieren. Außerdem…“, sie grinste anzüglich. „…sind deine Haare viel zu schön, um sie zu verstecken.

 

Celina nickte und löste wie in Trance die Nadeln, so dass die feuerrote Pracht auf ihre Schultern fiel.

 

„Eine wunderschöne Hexe.“

 

Aus Sophias Mund klangen jene sanft und zärtlich, ganz anders als zuvor. Celina schauerte, als die geschickten Hände viel zu kurz mit ihren Strähnen spielten. Jene Berührung schien intimer als wenn Sophia ihre Brüste gestreichelt hätte. Doch auch sie räusperte sich.

 

„Wir sollten aufbrechen, sonst ist es unmöglich, noch vor Einbruch der Dunkelheit zurückzukehren.“

 

Celina folgte Sophia in den Stall, wo die Pferde sie freudig wiehernd begrüßten. Zielstrebig steuerte Celina auf die Box mit der Fuchsstute zu, von Beginn an hatte sie gewusst, dass dies ihr Pferd sein würde. Beim Öffnen spürte sie den Blick des Arabers auf sich ruhen, die dunklen, stechenden Augen folgten ihr ohne Unterlass, als wollten sie sagen du gehörst mir.

 

Celina schauerte. Ihre Gedanken beschäftigten sich unwillkürlich mit Morelle. Der Umstand, dass sie ihn den ganzen Tag über nicht gesehen hatte, warf Fragen auf. Wo könnte er sein? Ohne seine Frau oder sie zu informieren? Natürlich war es nicht seine Pflicht, auch weil Sophia sich keine Sorgen zu machen schien. Dennoch.

 

„Celina, kommst du?“
Sophia hatte den Apfelschimmel Weißlicht bereits nach draußen geführt.

 

„Ja sofort“, eilig holte sie die Fuchsstute aus der Box und legte ihr Zaumzeug sowie Sattel an, was diese widerstandslos geschehen ließ.

 

Die Gräfin lächelte, als sie die beiden aus dem Stall kommen sah.

 

„Wie ich sehe, hast du dich schon mit Flammenstern angefreundet.“

 

Celina musste grinsen. „Ja, wir haben uns sofort verstanden.“

 

Zärtlich streichelte sie die Nüstern, was das Pferd dazu veranlasste, sich an ihrer Seite zu reiben.

 

„Nun aber los“, schwungvoll stieg Sophia in den Sattel.

 

Celina versuchte, es ihr gleichzutun, doch die lange Abstinenz sowie die ungewohnte Sitzhaltung forderten ihren Tribut. Erst mit einigen theoretischen Anweisungen von Sophia gelang es und kaum, dass ihre Schenkel das harte Sattelleder berührt hatte, kehrte ein längst vergessenes Gefühl zurück. Celina presste ihre Hand gegen die Brust, um die Tränen oder einen Aufschrei zu unterdrücken. In ihrem Innern tobte ein haltloses Chaos. Es schien, als würde sie in eine alte Zeit zurückkehren, als Nöte, Sorgen und gesellschaftlicher Druck noch weit entfernt waren.

 

Celina strafte die Schultern, sie weigerte sich strikt, jene Gefühle offen zu zeigen. Doch ein kurzer Blick in Richtung Sophia verriet, dass diese zumindest ahnte, was in ihr vorging. Im Schritttempo passierten die beiden Frauen das Schlosstor und ritten anschließend den durch Steine befestigten Weg entlang, der in den ersten Teil des Waldes führte. Mit leichtem Schauern erinnerte Celina sich an jene Nacht, in der Sophia sie gefunden hatte. Wie viele Wochen oder auch Monate seitdem vergangen waren, konnte Celina nicht sagen.

 

Und ebenso wenig, ob es Fluch oder Segen war. Sie presste die Lippen zusammen. Was wäre, wenn sie jemandem begegneten? Trotz der beunruhigenden Gerüchte war der Wald nach wie vor frei zugänglich.

 

„Mach dir keine Sorgen“, unterbrach Sophia ihre Überlegungen. „Hier kommt selten jemand her. Die Menschen haben zu viel Angst vor der Wahrheit. Und außerdem“, sie griff in ihren Reitstiefel und zog einen Dolch heraus. „…gehe ich nirgends ohne Waffe hin.“

 

Celina erbleichte. Damit hatte sie nicht gerechnet. Doch bevor sie etwas sagen konnte, verfiel die Gräfin in leichten Trab und ihr blieb keine Wohl, als zu folgen. Etwa eine Viertelstunde später ließen sie den Wald hinter sich und eine breite, grüne Flur erstreckte sich vor ihnen.

 

„Gefällt es dir?“, fragte Sophia und ein leichtes Grinsen umspielte ihren Mundwinkel.

 

Celina nickte, sie war nicht fähig, etwas zu sagen. Plötzlich schien die ganze Welt so frei, unbeschwert und in ihren Möglichkeiten grenzenlos. Für einen kurzen Augenblick sah sie ihre Träume in greifbarer Reichweite.

 

„Lust auf einen Galopp?“

 

„Sofort“, jetzt war Celina es, die selbstbewusst lächelte.

 

Alle Barrikaden hatte ihre lähmende Wirkung eingebüßt. Sophia gab ihrem Schimmel die Sporen und preschte los. Sie tat es ihr gleich und obwohl Tempo und Gelände fremd waren, fand sie nach einer Weile den Mut, über ihre Schulter nach hinten zu blicken. Das lange Haar tanzte wie Feuerzungen im Wind und gleichzeitig verschwand ihr altes Leben mehr und mehr. Jenes Gefühl verebbende erst, als sie ein zweites Waldstück erreichten und wieder in Schrifttempo zurückfielen. Etwas furchtsam blickte Celina sich um.

 

„Wo sind wir hier?“

 

Die Gräfin hob gespielt die Brauen. „Wovon sprichst du? Es ist immer noch der gleiche Wald. Das Feld hat ihn lediglich in zwei Teile gesplittet.“

 

Sie senkte den Blick, wollte Sophia glauben, obwohl ihr Verstand die Wahrheit kannte. Der Wuchs von Flora und Fauna hatte sich deutlich verändert und auch die Bäume waren unübersehbar älter. Außerdem lenkte die Gräfin sie nicht über die bestehenden Trampelpfade, sondern durchs dichte Geschrubbt, was den Pferden einiges abverlangte. Es grenzte an ein Wunder, das weder Flammenstern noch Weißlicht scheuten oder verweigerten.

 

Celinas Herz zog sich schmerzhaft zusammen. Wenn Sophia ihr etwas antun wollte, so war jetzt die beste Gelegenheit. Hier, in diesem Wald würde niemand ihre Schreie hören.

 

„Halt an“, der scharfe Unterton ließ sie zusammenzucken und ihr Griff an den Zügeln war viel zu fest.

 

Flammenstern wieherte protestierend, ließ Celina jedoch absteigen. Unsicher schaute diese ihr Gegenüber an, in Sophias Augen lag eine unerbittliche Kälte und gleichzeitig ein Feuer, was sie über alle Maßen erregte.

 

„Sophia. Was soll…?“, weiter kam Celina nicht und sogar der Schrecken über die vertraute Anrede verlor an Bedeutung, als die Gräfin sie ungestüm küsste.

 

Sie konnte nicht anders als zu erwidern, auch weil Sophia ihre Hände auf dem Rücken platzierte.

 

„Stell dich an den Baum!“, befahl sie und Celina gehorchte irritiert.

 

Sie wagte nicht einmal, laut zu atmen, als Sophia geschickt ihr Oberteil öffnete und so ihre Brüste freilegte. Celina überlief es heiß und kalt. Sie hatte sich also nicht getäuscht. Sophia wollte erneut mit ihr schlafen und obwohl ein Teil von ihr sich sträubte, spürte sie die verräterische Nässe zwischen ihren Beinen.

 

„Nicht bewegen.“

 

Versonnen nahm Celina wahr, dass Sophia ein langes Seil aus der Tasche holte und sie damit um den dicken Stamm band. Angst und Lust fochten einen unerbittlichen Kampf in ihr aus.

 

„Fürchte dich nicht.“

 

Celina tat ihr Bestes, der Aufforderung nachzukommen, doch ein reflexartiges Zucken in den Gliedern blieb. Sophia spürte es.

 

„Du kannst mir vertrauen“, anschmiegsam wie eine Katze rieb sie sich an ihrer Schulter, ihrem Busen. „Ich dachte, das wüsstest du.“

 

Celina schnappte nach Luft. Ja, es stimmte. Sie vertraute Sophia, so absurd diese Tatsache auch sein mochte. Seufzend entspannte sie sich und schloss sogar die Augen, was die Gräfin sanft lächeln ließ. Wild presste sie ihre Lippen auf Celinas makellose Haut gleiten. Als die krampfhafte Anspannung endgültig löste, folgte der erste Schlag.

 

„Ah…“, Sophia grinste.

 

Obwohl Morelle und sie selbst ihre Erziehung zur Sklavin sehr ernst nahmen, war Celina noch recht unbedarft.

 

Süß, schoss es ihr durch den Kopf.

 

Es folgte ein weiterer Schlag und Celina biss die Zähne zusammen. Winzige Blutgerinnsel rannen über ihren Oberkörper und Sophias Augen funkelten.

 

 

 

Zu gerne hatte sie diese genießerisch aufgeleckt, entschied sich aber dagegen. Für eine solche Praktik war es noch zu froh und außerdem scheute Sophia sich, Celina mit ihrer dunklen Seite, welche sich nahe an der Perversion bewegte, zu konfrontieren. Wieder schlug die Gräfin zu, nur um wenige Sekunden später den Kopf zu heben.

 

Die Geräusche des Unterholzes verrieten ihr, das Morelle bereits in der Nähe war und sie leckte sich über die Lippen. Jetzt würde es beginnen.

 

 

 

Celina stieß einen verwunderten Laut aus, als Sophia ihre Schläge abprubt unterbrach und stattdessen grob ihre Beine auseinanderzog, dass sie das Gleichgewicht zu verlieren drohte.

 

„Was soll…?“, ihre Worte gingen in einem erregten Stöhnen unter, da die Gräfin ihr zwischen die Schenkel griff und die feuchte Scham liebkoste.

 

„Du bist bereit“, Sophias Raunen ließ sie schauern und gleichzeitig kaum merklich nicken.

 

Celinas Überraschung wuchs, als Sophias Hände plötzlich verschwanden und sie außerdem einige Schritte zurückmachte. Bevor Celina erneut fragen konnte, stockte ihr der Atem. Denn die Gräfin fing an, sich langsam auszuziehen. Obwohl der Anblick durchaus vertraut war, machte ihr Herz einige Luftsprünge. Sophias Schönheit war, in ihren Augen, unglaublich. Ähnlich einer Göttin oder einer Sukkubus, die aus den Tiefen der Hölle in die Menschenwelt gekommen war.

 

Trotz der Fesseln zitterten Celinas Hände und die Flächen bedeckte ein hauchdünner Schweißfilm. Alles in ihr schrie danach, Sophia zu streicheln oder auch zu kratzen und viel zu spät bemerkte Celina, das sie ihren Po an der kantigen Rinde aufscheuerte.

 

„Aber…aber mein Täubchen“, mit wiegenden Hüften kam die Gräfin näher und strich ihr die Haare aus dem Gesicht. „Du sollst dich doch nicht verletzen.“

 

Celina nutzte die Chance, um Sophia zu küssen. Es war das erste Mal, dass sie es von sich austat und fühlte eine Erleichterung, als Sophia erwiderte und ihr keine Ohrfeige gab. Danach wurden innerhalb weniger Sekunden das Seil gelöst.

 

„Leg dich hin“, obwohl die Gräfin leicht lächelte, war ihre Stimme unerbittlich.

 

Celina gehorchte. Obwohl die kleinen Zweige und Steine des Waldbodens in ihren Rücken stachen, waren die Schmerzen erträglich. Celinas Blick galt zuerst den Sternen, dann Sophias, welche sie noch immer streng musterte.

 

„Öffne deine Schenkel und zwar weit.“

 

Über Celinas Körper legte sich eine Gänsehaut. Was würde Sophia tun? Sie wieder schlagen? Oder mit dem Zweig gar in sie eindringen? Sie unterdrückte einen Angstschrei, letzteres würde sie bis an ihre Grenzen bringen. Celinas Augen weiteten sich, als Sophia jenen Zweig provozierend langsam zur Seite legte und sich stattdessen zwischen ihre Schenkel kniete. Bevor sie sich erkundigen konnte, zogen die geschickten Hände ihre Schamlippen auseinander.

 

Der kühle Luftzug der mittlerweile hereingebrochenen Nacht ließ ihre Beine zucken, doch Sophia störte sich nicht daran. Im Gegenteil, wie eine Schlange ließ sie ihre Zunge über Celinas angeschwollene Klit gleiten und krallte sich in ihre Hüften, als Celina reflexartig wegziehen wollte. Sie versuchte noch, ihre Erregung zu unterdrücken, wandte sich nach einigen Sekunden wie ein Fisch, zumal Sophia aggressiv zu saugen begann.

 

Liebevoll vergrub Celina ihre Hände in den Haaren ihrer Gespielin und gab sich der Leidenschaft hin. Erst nach einer scheinbaren Ewigkeit spürte sie, das sowohl Sophias Bewegungen als auch ihre Atmung sich veränderten. Sie wurden hektischer, aber auch wilder. Celinas Hände schlossen sich zu Fäusten, sie fühlte den Höhepunkt nahen. Ihre Hüften bogen sich wie von selbst der Gräfin entgegen und erst, als sie schreiend den Gipfel der Lust erreichte, wagte Celina es, die Augen zu öffnen.

 

Im nächsten Moment gefror das Blut in ihren Venen und sie musste den Impuls unterdrücken, sich sofort zu entziehen und wegzulaufen. Das konnte nicht wahr sein. Celina blinzelte, in der Hoffnung, dass es sich um einen kurzzeitigen Traum handelte. Aber es war nicht so, im Gegenteil.

Seine schwarzen Augen musterten sie lüstern und die Lippen verzogen sich zu einem dreckigen Grinsen während er abwechselnd auf Sophias Pobacken schlug, um sie ihrerseits zum Höhepunkt zu bringen. Gleichzeitig drang er fast schon brutal in sie ein ohne Celina dabei eine Sekunde aus den Augen zu lassen. Diese unterdrückte nur knapp die Tränen. Morelle hatte ihre ganze Lust erblickt, die Barriere war gefallen.

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Leseprobe "Teuflische Versuchung- Blaues Inferno"

„Melissa?“, rief er und schaute nach oben. Wo war sie?

 

„Ich komme gleich runter und ich hoffe, du hast eine gute Erklärung für all das hier.“

 

Ihr Tonfall war schwer zu deuten und trotzdem konnte Chris ein kurzes Lachen nicht unterdrücken. Es sah ganz so, als ob seine Überraschung geklappt hätte. Einige Minuten später kam ihm eine leicht verstörte, angespannte Melissa entgegen. Ihre schwarzen Haare standen wirr in alle Richtungen ab und ihren schlanken Leib bedeckte lediglich ein Bademantel.

 

Pure Verführung, dachte Chris versonnen und seine Freundin in die Arme, um sie zu begrüßen.

 

„Kannst du mir mal bitte erklären, was hier los ist?“, Melissa schaute ihn an. „Ich wollte eigentlich nur ein wenig schwimmen, doch als ich aus dem Keller kam, war unser Schlafzimmer abgeschlossen und kein Schlüssel steckte. Ich versuchte alles, um die Tür zu öffnen, ohne Erfolg. Auch das Personal behauptete, nicht zu wissen, was ich jedoch nicht so recht glaube. Zuerst wollte ich den Schlüsseldienst rufen, entschied mich dann aber, auf dich zu warten.“

 

Unwillkürlich musste Chris lächeln, zum Glück hatte sie es nicht getan.

 

„Hast du denn etwas gegessen?“, versuchte er vom Thema abzulenken.

 

Melissa nickte. „Natürlich. Ich habe mir eine vegetarische Pizza bestellt. Aber wie sieht es mit dir aus? Du wirst ein wenig blass um die Nase.“

 

Kaum merklich fuhr Chris zusammen. Manchmal war seine Liebste fast ein wenig zu aufmerksam. Durch den ganzen Stress im Büro sowie durch die willkommene Abwechslung hatte er vergessen, etwas zu sich zu nehmen.

 

„Äh…“, verlegen kratzte er sich am Kopf, doch Melissa verstand.

 

„Wie oft habe ich dir gesagt, dass du regelmäßig essen solltest?“, ihre Stimme klang tadelnd. „Du brauchst deine Kräfte.“

 

„Ja, ich weiß“, Chris senkte den Blick.

 

Melissa streichelte seinen Kopf und schaute ihn an. Ohne ein weiteres Wort drehte sie sich um und nahm ein Fertiggericht aus dem Kühlschrank und schob es in die Mikrowelle. Dabei murmelte sie etwas von „Männer sind wie Kinder.“

 

Auf ihren Wink hin nahm Chris sich Teller und Besteck, setzte sich an den Tisch. Einige Minuten später stellte Melissa einen dampfenden Behälter Nudeln vor ihm hin und Chris begann zu essen. Es schmeckte nicht optimal, half jedoch, seinen knurrenden Magen zu beruhigen. Melissa beobachtete ihn aufmerksam und ließ ihn keine Sekunde aus den Augen.

 

„Erzählst du mir jetzt, was los ist?“, fragte sie, nachdem Chris seine Portion aufgegessen hatte.

 

„Ich werde es dir nicht erzählen“, er lächelte geheimnisvoll. „Sondern zeigen.“

 

Wortlos nahm er Melissas Hand und zog sie mit sich. Gemeinsam stiegen sie die Wendeltreppe hinauf und vor ihren Augen holte Chris unter einem Blumentopf den Ersatzschlüssel hervor. Melissa presste die Lippen aufeinander.

 

„Was soll…“, setzte sie an, doch eine Handbewegung von Chris reichte aus, das sie schwieg.

 

Langsam öffnete er die Schlafzimmertür. „Mach deine Augen zu.“

 

Melissas Irritation wuchs, gehorchte jedoch. Sie spürte, wie Chris seine Hand in ihre legte und sie Schritt für Schritt in das Zimmer führte. Eine angenehme Wärme, gepaart mit schweren, anregenden Duft der Teerose schlug ihr entgegen.

 

„Darf ich jetzt gucken?“, fragte sie neugierig. Ihr Herz schlug ein paar Takte schneller.

 

„Noch nicht“, Chris schmunzelte bei der Antwort hörbar. „Bleibe jetzt bitte stehen und rühre dich nicht.“

 

Mit diesen Worten ließ er Melissas Hand los und setzte sich nur wenige Schritte von ihr entfernt auf einen Stuhl. Sie hörte das Knarren von Holz auf Holz sowie, das Chris etwas in die Hand nahm. Melissas Lächeln wurde breiter, das konnte doch nur eines bedeuten. Ihre Ahnung täuschte sie nicht, denn nur wenige Minuten später schwebten die ersten Cello-Klänge durch den Raum. Auch das Stück erkannte sie sofort, es war Der Schwan von Camille Saint Säens. Zu dieser Musik hatte sie einst für ihn getanzt, dabei ihre Kleidung abgelegt und somit ihre Furcht gegenüber den Männern überwunden.

 

„Soll ich mich wieder ausziehen?“, fragte Melissa belustigt. Nicht, dass es ihr nicht gefallen würde…

 

„Noch nicht“, an seinem Tonfall hörte sie Chris‘ Grinsen. „Erstmal darfst du jetzt die Augen öffnen.“

 

Als sie das tat, stieß Melissa einen leisen, aber überraschten Schrei aus. Damit hatte sie nicht gerechnet. Ihr komplettes, gemeinsames Schlafzimmer war mit schwarzen und roten Rosen dekoriert, sogar aus dem Doppelbett lagen die samtweichen Blütenblätter, dazwischen einige SM-Spielzeugte. Peitsche, Paddel, Fesseln, einen Metall-Plug sowie ein schwarzes Vibro-Ei.

 

„Du hast an alles gedacht“, Melissa strahlte über das ganze Gesicht. Chris lächelte sie an, konzentrierte sich aber weiterhin auf ein Spiel.

 

„Jetzt kannst du dich ausziehen“, sein dunkelerotisches Timbre jagte Melissa einen Schauer über den Rücken.

 

Einen kurzen Augenblick lang nahm er den Bogen von den Saiten, nur um gleich drauf noch intensiver weiterzuspielen. Es war Minstrel's Song von Alexander Glasunow. Melissa grinste und öffnete langsam die Rückenschleife ihres Kleides. Danach zog sie das dunkelblaue, kinnlange Gewand langsam über den Kopf. Eine blausilberne Korsage mit Haken und Spitze kam zum Vorschein und trotz seines Spiels leckte Chris sich über die Lippen. Eine große Hitze floss durch seinen Körper und er kostete ihm alle Mühe, den Takt zu halten. Denn auch Melissas feste Beine waren von schwarzen Nylon-Strümpfen bedeckt, die einen ausgezeichneten Kontrast zu ihrer milchweißen Haut bildete. An den Innenseiten ihrer Schenkel war ein deutlicher Glanz zu sehen. Ein Zeugnis ihrer Lust.

 

„Wünscht Ihr, dass ich mich berühre, Meister?“, fragte sie leise und wagte nicht, ihn anzuschauen.

 

„Nein, Sklavin“, er musterte sie, ohne sein Spiel zu unterbrechen. „Lege dich lieber auf das Bett und zeige mir, was du kannst.“

 

Melissa nickte und kroch auf das Bett, ängstlich bemüht, die Spielzeuge nicht zu berühren. Jenes hätte eine Bestrafung zur Folge.

 

„Und vergiss nicht, mich anzuschauen.“ Diese Worte ließen sie erschauern.

 

So geschickt wie möglich griff Melissa sich auf den Rücken und lockerte die Schnürung, um wenige Sekunden später die Haken zu öffnen. Wie reife Früchte sprangen ihre Brüste heraus und Chris stöhnte leise.

 

„Mach weiter“, das Tempo des Stückes beschleunigte sich.

 

 Woraufhin Melissa ihre Beine in die Höhe hob und sie anschließend spreizte. Flüchtig ließ sie ihre Hände über die noch bedeckte Scham gleiten und warf den Kopf nach hinten. Gleichzeitig traktierte sie ihre Brüste im Rhythmus der Musik, strich über die empfindliche Haut und nahm die Warzen zwischen die Finger.

 

„Du brauchst dich nicht zu beherrschen“, bemerkte Chris amüsiert und spielte gelassen die letzten Töne. „Lass deiner Leidenschaft freien Lauf.“

 

Das junge Mädchen unterdrückte den Impuls, das Gesicht zu verziehen. Das Chris bei ihren Spielen die Spannung immer bis zur Grenze ausreizte, war zweifelsohne etwas Besonderes. Gleichzeitig stachelte es sie regelrecht an, aufmüpfig zu werden und Widerworte zu geben. Er schien zu wissen, was in ihr vorging und zwinkerte spielerisch.

 

„Du möchtest, dass ich zu dir komme, nicht wahr?“, Nachdem der letzte Ton verklungen war, stellte er sorgfältig das Cello zur Seite.

 

Einzig allein die geröteten Wangen und die Schweißperlen auf der Stirn verrieten, das er ebenso erregt war. Frech warf Melissa einen Blick auf seine Körpermitte. Die Beule dort war kaum noch zu übersehen. Nun leckte sie sich über die Lippen.

 

„Gefällt meiner Sklavin, was sie sieht?“, Chris Tonfall schwankte zwischen Belustigung und Entrüstung. Zögernd nickte sie nicht. „Dann sollst du deine Augen besser nicht von mir nehmen. Aber wage es nicht, dein Spiel zu beenden.“

 

Während Melissa ihren Slip zur Seite schob und ihre rasierte Scham zu liebkosen begann, entledigte Chris sich seiner Kleidung. Zuerst die verhasste Krawatte, dann Hemd und Hose und zum Schluss die Unterwäsche.

 

Gegen ihren Willen musste Melissa kichern. Chris‘ steifes Glied sprang ihr regelrecht entgegen. Zwar fand sie seine Männlichkeit ausgesprochen attraktiv, doch zuweilen verlor selbst er die Beherrschung. Minuten später bereute Melissa ihre Handlung jedoch, denn diese war nicht unbemerkt geblieben. Bevor sie sich versah oder reagieren konnte, stand Chris neben dem Bett, griff brutal in ihre Haare und zog daran. Ihr Kopf fiel wie ein Stein in den Nacken und lediglich ein Wimmern entsprang ihren Lippen.

 

„Ist, dass das Verhalten einer gehorsamen Sklavin?“, fragte Chris schneidend. Seine Augen funkelten und durchbohrten sie regelrecht.

 

Soweit es ihr möglich war, schüttelte Melissa den Kopf. „Verzeih mir Meister.“

 

Chris‘ Lippen wanderten nach oben und jenes dämonische Lächeln jagte ihr einen Schauer über den Rücken.

 

„Du weiß, dass es damit nicht getan ist, oder?“, sanft knabberte er an ihren Lippen, verschloss diese mit einem Kuss. „Arme auf den Rücken.“

 

Folgsam tat Melissa wie ihr gehiesen. In ihrer Position war es unklug, den Meister noch mehr zu verärgern. Gleich darauf hörte sie den Klettverschluss der Fesseln zuschnappen und seine kräftige Hand drückte sie aufs Bett zurück.

 

„Dein Verhalten ist heute ein wenig enttäuschend, Melissa“, Chris‘ Gesichtsmimik verriet seine Freude. „Und du wirst verstehen, dass ich es so nicht durchgehen lassen kann. Deinen Meister zu verspotten, weil er dir nicht widerstehen kann. So etwas tut man nicht.“

 

Die Angesprochene tat ihr Bestes, um möglichst schuldbewusst die Lider zu senken, wenngleich ein Teil von ihr noch immer lachte. Chris löste seinen Griff und streichelte sie zärtlich.  Die andere Hand widmete sich ihren nackten Brüsten und kniffen diese. Melissa schloss die Augen, bereit, die etwas gröberen Berührungen zu genießen.

 

Das Zischen einer neunschwänzigen Peitsche ließen sie zusammenzucken und ein Aufschrei verließ ihre Lippen. Verflucht. An die Spielzeuge hatte sie gar nicht mehr gedacht. Chris‘ leicht überhebliches Lachen drang an ihre Ohren.

 

„Bist du bereit, deine Strafe anzunehmen?“

 

Ohne weiter nachzudenken, nickte Melissa, obwohl ihre Lippen vor Anspannung zitterten.

 

„Dann zähle mit.“

 

Immer wieder sauste die Peitsche auf ihre Brüste herab. Die empfindliche Haut rötete sich sofort. Dennoch zählte sie jeden einzelnen Schlag und schaffte sogar noch ein winziges Lächeln.

 

„Wunderschön, ich liebe es, wenn deine Haut gestriemt ist“ Erneut küsste Chris sie. „Aber um den zweiten Teil deiner Bestrafung durchführen, muss ich den Slip entfernen.“

 

Warum sagt er mir das extra, fragte Melissa sich überrascht.

 

Eiliges Herunter- oder auch Zerreißen der Unterwäsche gehörte durchaus zum Spiel. Doch als Chris eine Schere hervorzog und ihre Schenkel noch weiter öffnete, wich sie erschrocken zurück. Das konnte doch nicht sein Ernst sein.

 

„Sorge dich nicht, kleine Sklavin“, Chris‘ Stimme beruhigte sie ein wenig. „Du weißt, dass du mir vertrauen kannst. Ich weiß, was ich tue.“

 

Melissa nickte und schloss die Augen, um sich zu entspannen. Ihr Puls raste wie nach einem Marathonlauf und jenes Gefühl verstärkte sich noch, als das kalte Metall ihre Haut berührte. Sie tat ihr Bestes, um still liegen zu bleiben, hektisches Zucken erhöhte die Gefahr noch.

 

Wie in Trance hörte Melissa, wie Chris Stück für Stück ein Loch in ihren Slip schnitt. Ihre angeschwollene Klit kam ihm regelrecht entgegen. Jene war nass von ihrem Saft.

 

„Sieh an“, verspielt rieb Chris über die sensible haut. „Offenbar bin ich nicht der Einzige, der es nicht erwarten kann.“

 

Melissa presste die Lippen aufeinander und wimmerte, auch weil er seine Zunge einsetzte. Behutsam nahm Chris ihr Lustzentrum zwischen die Lippen und rieb mit den Zähnen darüber während er abwechselnd den Stoff zerschnitt.

 

„Nun, drehe dich um“, sofort wandte Melissa sich auf den Bauch und war erleichtert, dass die Schere von ihrer Haut verschwand.

 

Zwar war es nicht unangenehm gewesen, aber so ein Adrenalin würde sie auf die Dauer nicht verkraften. Dicke Schweißperlen rannen über ihren Rücken. Sie wusste, die Strafe war noch nicht vorbei. Soviel war sicher. Zu ihrer Verwunderung begann Chris vorerst, ihre Wirbelsäule entlang zu streichen und diese mit seiner Zunge zu benetzen. Auf diese Art und Weise entspannte sie sich ein wenig. Sein Atem kitzelte ihr Ohr.

 

„Ich liebe dich“, hauchte er und Melissa hätte alles getan, um sein Gesicht umfassen zu können. Ohne es zu merken zerrte sie an den Fesseln.

 

Abprubt beendete Chris seine Zärtlichkeiten und holte stattdessen mit dem Paddel aus. Es klatschte, als es auf ihre Haut traf. Melissa schrie auf, machte jedoch keinen Versucht, sich wegzudrehen.  

 

Schnell und heftig prasselten fünfzehn Schläge auf sie nieder, wobei Chris Hände immer wieder zwischen ihre Schenkel wanderten. Seine Finger waren überzogen von Melissas Saft.

 

„Schau es dir mal“, nachdem sie mühsam den Kopf gedreht hatte, leckte er verführerisch über seine Finger. „Du schmeckst wundervoll.“

 

Dann nimm mich doch endlich, schrie Melissa in Gedanken, wagte jedoch nicht ihr Begehren laut auszusprechen. Um einem Meister wie Chris zu gefallen, musste man sich in Geduld üben.

 

„Hebe deinen Hintern“, Melissa seufzte erleichtert, als Chris das Paddel zur Seite legte und stattdessen begann, ihre Spalte zu streicheln. „Du bist erregt, aber noch nicht bereit.“

 

Im nächsten Moment quiekte sie erschrocken auf, als ein metallischer Gegenstand ihre Haut berührte und vorsichtig in sie eindrang. Die Kälte reizte ihre Klit noch zusätzlich. Ihre Hüften begann, sich auf und ab zu bewegen.

 

„Untersteh dich zu kommen“, herrschte Chris sie leicht an und Melissa nickte. Sie versuchte ihr Bestes, aber es war verdammt schwer.

 

Zumal er seine Bewegungen mit jeder Sekunde intensivierte. Verzweifelt biss Melissa in das weiße Laken, um ihre Erregung ein wenig in Zaum zu halten.

 

„Bitte…“, flehte sie regelrecht.

 

„Bitte was?“, fragte Chris gespielt unschuldig und machte keine Anstalten sein Tun zu beenden.

 

„Fick mich“, verlangte Melissa und ihre Muskeln zuckten unkontrolliert.

 

„Du möchtest also, dass ich mein Glied in deiner Lust versenke und dich bis zum Anschlag ausfülle?“

 

„Ja“, die Antwort war nur noch ein ersticktes Keuchen.

 

Teuflisch grinsend packte Chris Melissas Fußgelenke und drehte sie mit einer einzigen Bewegung auf den Rücken. Ihr kurzer Aufschrei sowie das überraschte Quieken wurden ignoriert, ebenso wenig ließ Chris ihr Zeit, sich an die neue Situation zu gewöhnen. Er wollte sie spüren. Jetzt. Und drang mit einem harten Stoß in sie ein. Melissa keuchte, die Reizüberflutung raubte ihr beinahe den Atem, zumal Chris‘ Hände sich auf noch in ihre Hüften krallten und ein Entkommen unmöglich machten.

 

„Du bist mein“, seine Augen glühten vor Lust, als er sich erst langsam und dann immer schneller in ihr zu bewegen begann.

 

Selig lächelnd erreichte Melissa den Höhepunkt und das Glücksgefühl steigerte sich, als sie spürte, wie Chris‘ Saft ihre Schenkel hinunterlief.

 

„Ich liebe dich“, hauchte sie.

 

„Ich dich auch“, entgegnete er und küsste seine Liebste flüchtig auf die Stirn ehe er behutsam ihre Fesseln löste und Salbe auf die Wunden schmierte.

 

Melissa stutzte. Augenscheinlich war sein Verhalten völlig normal, doch ein Blick in seine Augen sagte ihr, dass etwas nicht stimmt

 

„Chris“, besorgt legte Melissa ihre Hand auf seine Schultern. „Was ist los? Dich bedrückt doch etwas.“

 

Der Angesprochene zog kaum hörbar die Luft ein. Er hätte wissen müssen, dass er seiner Freundin nichts vormachen konnte. Melissa hatte einfach zu viel Empathie. Ihr etwas vorzumachen, war nahezu unmöglich.

 

„Es ist so…“, Chris‘ Augen wanderten hektisch von einem Punkt zum nächsten. „Mein Vater hat mich heute im Büro angerufen.“

 

„Was?“, ohne es zu merken, rückte Melissa leicht von ihm ab. „Was zum Teufel…? Warum? Ich meine, ihr habt doch seit Jahren kaum noch Kontakt, oder?“

 

Er nickte. „Eben und das Beste kommt noch…“, seine halbe Grimasse verriet die Ironie. „Er hat UNS BEIDE zu einem Maskenball eingeladen.“

 

Aus den Augenwinkeln heraus erkannte Chris, wie Melissa erbleichte. Ihre Gefühle waren ihm nur allzu vertraut, auch ihm behagte die Vorstellung, mit einem Menschen, der zwei Menschenleben zerstört hatte, überhaupt nichts. Andererseits…es war sein Vater und außerdem konnte eine Absage einen regelrechten Amoklauf der Klatschpresse zur Folge haben.

 

Vor seinem geistigen Auge sah er bereits die Überschriften in Großbuchstaben, eine reißerischer als die andere. Einige Schweißperlen rannen von seiner Stirn, das Durcheinander wegen Melissa und ihm war schon nervenzehrend genug gewesen. Auf eine Wiederholung war niemand von ihnen erpicht.

 

„Was ist damals eigentlich genau passiert?“, erkundigte Melissa sich und kuschelte sich vertrauensvoll an seine Brust.

 

Chris’ Herz setzte einen Moment lang aus. Doch er fasste sich und strich seiner Liebsten zärtlich durchs Haar.

 

„Isabell war meine erste große Liebe. Und ebenso wie bei dir empfanden meine Eltern die Beziehung als nicht standesgemäß. Zumal wir beide eine Zukunft als freischaffende Künstler planten Ich war kaum neunzehn Jahre alt und mein Wille war noch nicht so stark wie jetzt. Von dem Finanziellen möchte ich gar nicht erst sprechen.“

 

Chris zog die Luft ein während seine Augen sich mit Tränen füllten. Melissa spürte es und strich ihm über die Wange.

 

„Unsere Treffen verliefen mehr oder weniger heimlich. Ebenso wie der Sex. Meine SM-Adern hatte ich damals noch nicht entdeckt. Aber es war trotzdem geil.“

 

Seine Wangen färbten sich rot. „Als ich sie das letzte Mal sah, verführte sie mich am Strand und ich genoss jede einzelne Minute. Danach ging ich nach Hause, ohne zu ahnen, dass ich sie nie wiedersehen würde. Am Abend wunderte ich mich, das nicht, wie üblich, eine Nachricht von ihr kam, schob es allerdings auf ihr Studium, das mitunter sehr zeitintensiv war.“

 

Seine Muskeln vibrierten als stünden sie unter Strom und es fiel ihm immer schwerer zu sprechen.

 

„Als ich am nächsten Morgen zum Frühstück nach unten ging, spürte ich sofort, dass etwas nicht stimmte. Es schien wie ein unsichtbarer Schatten, der über mir hing. Meine Eltern saßen am Tisch und wie üblich herrschte eine beklemmende Kälte. An letzteres hatte ich mich bereits gewöhnt, aber diesmal war da doch. Ich zögerte nicht lange und fragte nach. Die Antwort bildete ein boshaftes Grinsen und anstatt es mir zu erklären, zeigte mein Vater auf einen Zeitungsartikel, der von einem Verkehrsunfall berichtete. Entschuldige.“

 

Chris stockte und brauchte einige Minuten, um weitersprechen zu können.

 

„Aufmerksam las ich die Buchstaben und jeder einzelne davon riss meine Welt in Stücke. Isabell war aus ungeklärter Ursache gegen einen Baum gefahren und der Wagen war völlig ausgebrannt. Von ihr selbst fehlte jede Spur und daran hat sich bis heute nichts geändert. Die anderen Hintergründe kennst du…leider. Und aus diesem Grund hasse ich meinen Vater aus tiefsten Herzen. Er hat nicht nur meine Jugend, sondern auch deine Familie zerstört.“

 

„Und trotzdem liebe ich dich“, ohne Zögern küsste Melissa ihn. „Aber was willst du jetzt tun? Irgendetwas ist in dieser Sache faul…ganz sicher. Doch wie es aussieht, müssen wir dort hingehen, oder?“ 

 

Chris nickte kaum merklich. Seine starken Finger umschlossen Melissas Finger.

 

„Ich werde mir etwas einfallen lassen. Auf jeden Fall weiche ich nicht von deiner Seite.“

 

 

 

Bild erworben bei Shotshop